Zugriff auf das Smartphone und doch kein Zugriff – Warum?
Das Smartphone im digitalen Nachlass – warum selbst ein entsperrtes Gerät noch lange keinen vollständigen Zugriff bedeutet
Hinweis: Dieser Beitrag informiert über typische technische und rechtliche Herausforderungen beim digitalen Nachlass von Smartphones. Er ersetzt keine individuelle Rechtsberatung oder IT-forensische Begutachtung. Die tatsächlichen Zugriffs- und Wiederherstellungsmöglichkeiten hängen unter anderem vom verwendeten Smartphone, Betriebssystem, den Sicherheitseinstellungen, den jeweiligen Anbietern sowie den zu Lebzeiten getroffenen Vorsorgemaßnahmen ab. Alle Angaben wurden mit größter Sorgfalt recherchiert. Da Hersteller ihre Verfahren regelmäßig ändern, sollte zusätzlich stets die aktuelle Dokumentation des jeweiligen Anbieters berücksichtigt werden.
Hinweis zur Transparenz: Dieser Artikel wurde vom Autor verfasst und mithilfe künstlicher Intelligenz sprachlich überarbeitet sowie korrigiert.
Das Smartphone ist heute der Schlüssel zum digitalen Leben
Noch vor wenigen Jahren befanden sich persönliche Unterlagen überwiegend in Aktenordnern, Schreibtischen oder Bankschließfächern. Heute sieht die Realität völlig anders aus. Das Smartphone ist für viele Menschen zum wichtigsten persönlichen Gegenstand geworden. Es begleitet seinen Besitzer täglich und enthält Informationen, die früher auf zahlreiche verschiedene Medien verteilt waren.
Fotos und Videos der Familie, persönliche Nachrichten, E-Mails, Online-Banking, Versicherungen, Gesundheitsdaten, digitale Verträge, Cloudspeicher, soziale Netzwerke, Authenticator-Apps, Passwortmanager und vieles mehr befinden sich heute auf einem einzigen Gerät.
Mit jedem neuen Onlinekonto wächst deshalb auch der digitale Nachlass.
Gerade Angehörige gehen häufig davon aus, dass sich dieses Problem leicht lösen lässt. Ist das Smartphone vorhanden und kann es sogar entsperrt werden, scheint der Zugriff auf sämtliche Daten nur noch eine Formsache zu sein.
Leider zeigt die Praxis ein anderes Bild.
Ein entsperrtes Smartphone bedeutet keineswegs automatisch, dass sämtliche Informationen zugänglich sind. Vielmehr beginnt an diesem Punkt häufig erst die eigentliche Herausforderung. Weiteres erfahren Sie in diesem Artikel.
Rechtlicher Anspruch bedeutet nicht automatisch technischen Zugang
Der Bundesgerichtshof hat mit seinem Urteil zum digitalen Nachlass klargestellt, dass digitale Benutzerkonten grundsätzlich vererbbar sind.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Anbieter Passwörter herausgeben oder ein Smartphone automatisch entsperren müssen oder auch können.
Zwischen dem rechtlichen Anspruch und der technischen Umsetzung besteht ein erheblicher Unterschied.
Ein Erbschein kann nachweisen, wer Erbe ist.
Eine Vollmacht kann Befugnisse dokumentieren.
Eine Sterbeurkunde bestätigt den Todesfall.
Keines dieser Dokumente kann jedoch einen unbekannten Gerätecode ersetzen oder verschlüsselte Daten entschlüsseln.
Genau hierin liegt heute eines der größten Missverständnisse rund um den digitalen Nachlass.

Moderne Smartphones schützen weit mehr als den Bildschirm
Viele Menschen betrachten den Gerätecode lediglich als Sperre gegen unbefugte Nutzung.
Tatsächlich erfüllt er heute eine wesentlich wichtigere Aufgabe.
Der Gerätecode ist Bestandteil der gesamten Sicherheitsarchitektur des Smartphones.
Auf aktuellen iPhones arbeitet beispielsweise die sogenannte Secure Enclave mit gerätespezifischen kryptografischen Schlüsseln zusammen. Moderne Android-Geräte verfügen über vergleichbare Hardware-Sicherheitsmodule.
Diese Sicherheitsarchitektur sorgt dafür, dass sensible Informationen nicht einfach als lesbare Dateien auf dem Speicher abgelegt werden.
Stattdessen werden zahlreiche Daten verschlüsselt gespeichert und können nur durch die dafür vorgesehenen kryptografischen Schlüssel entschlüsselt werden.
Der Gerätecode dient dabei nicht nur dem Entsperren des Displays.
Er hilft dabei, diese Schlüssel freizugeben.
Deshalb reicht der Besitz des Smartphones allein nicht aus.
Fehlt der Gerätecode oder sind weitere Sicherheitsmechanismen aktiv, kann selbst der rechtmäßige Erbe vor erheblichen technischen Hürden stehen.
Warum moderne Verschlüsselung nicht einfach „geknackt“ werden kann
Immer wieder hören wir die Aussage:
„Dann muss man die Datenbank eben knacken.“
Diese Vorstellung stammt jedoch aus einer Zeit, in der Daten häufig unverschlüsselt oder lediglich mit einfachen Passwörtern geschützt wurden.
Heute arbeiten Smartphones völlig anders.
Messenger wie Signal oder WhatsApp speichern ihre Informationen in verschlüsselten Datenbanken.
Dabei besteht ein weit verbreiteter Irrtum.
Viele Menschen glauben, man müsse lediglich eine vier- oder sechsstellige PIN erraten.
So einfach funktioniert moderne Verschlüsselung jedoch nicht.
Die eigentlichen Verschlüsselungsschlüssel bestehen nicht aus einer kurzen PIN.
Sie werden kryptografisch erzeugt und sind eng mit der Sicherheitsarchitektur des jeweiligen Smartphones verbunden.
Ein einfaches Kopieren der Datenbank und anschließendes Ausprobieren sämtlicher PIN-Kombinationen – ein sogenannter Brute-Force-Angriff – führt deshalb in der Praxis regelmäßig nicht zum Erfolg.
Zusätzlich verhindern weitere Schutzmechanismen unbefugte Zugriffe.
Hierzu gehören unter anderem:
- Hardware-Sicherheitsmodule,
- gerätespezifische kryptografische Schlüssel,
- Wartezeiten nach mehrfachen Fehlversuchen,
- biometrische Sicherheitsmechanismen,
- appinterne Verschlüsselung,
- Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.
Diese Technik schützt die Privatsphäre des Nutzers äußerst zuverlässig.
Im digitalen Nachlass kann sie jedoch dazu führen, dass selbst berechtigte Angehörige trotz Erbschein oder Vollmacht nicht auf wichtige Informationen zugreifen können.
Unsere Erfahrung aus über zehn Jahren Praxis
Seit mehr als zehn Jahren beschäftigen wir uns intensiv mit dem digitalen Nachlass sowie der Sicherung und Wiederherstellung digitaler Informationen.
In dieser Zeit haben wir zahlreiche Nachlassfälle begleitet und unsere eigenen Analysewerkzeuge, Skripte und Programme kontinuierlich weiterentwickelt. Neue Smartphone-Modelle, Betriebssystemversionen und Sicherheitsmechanismen machen es erforderlich, bestehende Verfahren regelmäßig anzupassen und weiterzuentwickeln.
Dennoch gibt es bis heute keine Standardlösung.
Jeder Fall unterscheidet sich.
Manche Fragestellungen lassen sich innerhalb weniger Stunden beantworten.
Andere begleiten uns über mehrere Tage oder sogar Wochen.
Der Grund liegt selten in fehlender Technik.
Viel häufiger fehlen entscheidende Informationen wie Gerätecodes, Wiederherstellungsschlüssel, Passwörter oder Hinweise auf die verwendeten Sicherheitsverfahren.
Genau deshalb beginnt eine erfolgreiche Nachlassregelung nicht erst nach einem Todesfall.
Sie beginnt bereits zu Lebzeiten.
Praxisbeispiele aus dem digitalen Nachlass
In unserer täglichen Arbeit stellen wir immer wieder fest, dass nicht fehlende Geräte das größte Problem darstellen, sondern fehlende Informationen. Moderne Smartphones bestehen aus zahlreichen Sicherheitsstufen, die unabhängig voneinander arbeiten. Dadurch kann ein Gerät zwar entsperrt sein, einzelne Anwendungen oder Cloud-Dienste bleiben jedoch weiterhin unzugänglich.
Die folgenden Beispiele zeigen typische Situationen, mit denen Angehörige nach einem Todesfall konfrontiert werden können.
Praxisbeispiel 1 – Apple: Der Nachlasskontakt hilft, aber nicht in allen Fällen
Herr M. verstirbt plötzlich. Seine Ehefrau besitzt das iPhone, kennt den Gerätecode und wurde bereits vor einigen Jahren als Apple-Nachlasskontakt eingetragen.
Nach erfolgreicher Legitimation erhält sie Zugriff auf zahlreiche Daten aus dem iCloud-Konto. Dazu gehören unter anderem Fotos, Notizen, Kontakte und weitere persönliche Informationen.
Die Erleichterung ist zunächst groß.
Kurze Zeit später stellt sich jedoch heraus, dass sämtliche Zugangsdaten zu Versicherungen, Banken, Online-Shops und geschäftlichen Konten fehlen.
Der Grund:
Diese Zugangsdaten wurden im iCloud-Schlüsselbund gespeichert.
Apple schützt diese Informationen besonders streng. Passwörter, Passkeys, gespeicherte Kreditkarten und weitere sicherheitsrelevante Informationen gehören ausdrücklich nicht zu den Daten, auf die ein Nachlasskontakt zugreifen kann.
Für die Familie bedeutet das:
Obwohl sie rechtmäßig Zugriff auf viele persönliche Daten erhält, fehlen genau die Informationen, die für die Abwicklung zahlreicher Verträge und Onlinekonten benötigt werden.
Der Apple-Nachlasskontakt ist deshalb eine sinnvolle Vorsorgemaßnahme, ersetzt jedoch keine vollständige Dokumentation wichtiger Zugangsinformationen.
Praxisbeispiel 2 – Google: Ohne Vorsorge entscheidet der Anbieter im Einzelfall
Frau S. nutzte über viele Jahre ein Google-Konto.
Dort befanden sich unter anderem:
- E-Mails
- Fotos
- Google Drive
- Kalender
- Kontakte
- Dokumente
- Notizen
Nach ihrem Tod möchten die Angehörigen auf diese Informationen zugreifen.
Der sogenannte Kontoinaktivitäts-Manager wurde jedoch nie eingerichtet.
Die Familie reicht Sterbeurkunde und Erbnachweise bei Google ein.
Nun beginnt ein Verfahren, dessen Ausgang im Vorfeld nicht sicher vorhergesagt werden kann.
Google prüft jeden Antrag individuell.
Je nach Einzelfall können bestimmte Daten bereitgestellt werden.
Ein automatischer Login in das Google-Konto oder die Herausgabe des Passworts erfolgt jedoch grundsätzlich nicht.
Auch hier zeigt sich ein typisches Problem des digitalen Nachlasses:
Zwischen dem rechtlichen Anspruch der Erben und den technischen sowie organisatorischen Verfahren internationaler Anbieter liegen oftmals erhebliche Unterschiede.
Praxisbeispiel 3 – Signal: Das Smartphone ist entsperrt, der Zugriff scheitert trotzdem
Nach dem Tod ihres Vaters findet die Familie dessen Smartphone.
Der Gerätecode ist bekannt.
Das Smartphone lässt sich problemlos entsperren.
Alle Fotos sind vorhanden.
Auch die Kontakte können eingesehen werden.
Als die Angehörigen Signal öffnen möchten, erscheint zunächst eine Sicherheitsabfrage.
Später stellt sich heraus, dass die Anwendung aufgrund einer notwendigen Neuinstallation oder eines Gerätewechsels erneut registriert werden müsste.
Zwischenzeitlich wurde jedoch der Mobilfunkvertrag gekündigt.
Die bisherige Rufnummer existiert nicht mehr.
Damit fehlt eine wesentliche Voraussetzung für die erneute Registrierung.
Zusätzlich schützt Signal verschiedene Informationen durch eigene Sicherheitsmechanismen und verschlüsselte Datenbanken.
Die eigentlichen Nachrichten liegen nicht unverschlüsselt auf dem Smartphone.
Selbst wenn das Gerät physisch vorhanden ist, bedeutet dies deshalb noch lange nicht, dass sämtliche Inhalte ohne weiteres zugänglich sind.
In diesem Fall hätte bereits das Abwarten mit der Kündigung der Mobilfunknummer möglicherweise weitere Handlungsmöglichkeiten eröffnet.
Praxisbeispiel 4 – WhatsApp: Ein Update verändert die Ausgangslage
Ein weiteres Beispiel zeigt, wie schnell sich eine zunächst gute Ausgangssituation verändern kann.
Die Tochter besitzt das Smartphone ihrer verstorbenen Mutter.
WhatsApp startet zunächst problemlos.
Kurz darauf erscheint jedoch der Hinweis, dass die installierte Version nicht mehr unterstützt wird.
Ein Update wird erforderlich.
Nach der Aktualisierung verlangt WhatsApp eine erneute Sicherheitsprüfung.
Anschließend wird zusätzlich die eingerichtete Zwei-Schritt-Verifizierung abgefragt.
Diese sechsstellige PIN kennt innerhalb der Familie niemand.
Gleichzeitig wurde der Mobilfunkvertrag bereits beendet.
Eine erneute Verifizierung über die bisherige Rufnummer ist deshalb nicht mehr möglich.
Das Smartphone ist weiterhin vorhanden.
Der Gerätecode ist bekannt.
Dennoch bleibt der Zugriff auf die Messenger-Kommunikation eingeschränkt.
Dieses Beispiel zeigt eindrucksvoll, wie wichtig es ist, nach einem Todesfall zunächst keine vorschnellen Änderungen vorzunehmen.
Warum Backups häufig überschätzt werden
Immer wieder hören wir den Satz:
„Es gibt doch ein Backup.“
Tatsächlich stellt ein vorhandenes Backup zunächst eine sehr gute Ausgangslage dar.
Es schützt jedoch in erster Linie vor Datenverlust.
Es garantiert nicht automatisch den späteren Zugriff auf sämtliche Informationen.
Viele sicherheitskritische Anwendungen verwenden zusätzliche Verschlüsselungsverfahren.
Hierzu gehören beispielsweise Messenger, Passwortmanager, Authenticator-Apps und Banking-Anwendungen.
Selbst wenn ein Backup erfolgreich wiederhergestellt werden kann, können einzelne Daten weiterhin verschlüsselt bleiben.
Für die Entschlüsselung werden häufig weitere Informationen benötigt.
Hierzu zählen beispielsweise:
- Gerätecode
- Wiederherstellungsschlüssel
- App-spezifische PINs
- Backup-Passwörter
- kryptografische Schlüssel
- Authentifizierungsverfahren
Fehlen diese Informationen, schützt das Backup zwar weiterhin vor dem Verlust der Daten.
Es schützt jedoch nicht vor einem dauerhaften Zugriffsverlust.
Gerade dieser Unterschied ist vielen Menschen nicht bewusst.
Ein Backup ersetzt deshalb niemals eine durchdachte digitale Vorsorge.

Die Mobilfunknummer gehört heute zum digitalen Nachlass
Ein weiterer Punkt wird häufig unterschätzt.
Viele Angehörige kündigen den Mobilfunkvertrag unmittelbar nach dem Todesfall.
Aus wirtschaftlicher Sicht erscheint dies zunächst nachvollziehbar.
Technisch kann diese Entscheidung jedoch weitreichende Folgen haben.
Die Mobilfunknummer dient heute weit mehr als dem Telefonieren.
Sie wird unter anderem verwendet für:
- Messenger-Dienste
- SMS-TAN-Verfahren
- Zwei-Faktor-Authentifizierung
- Passwort-Zurücksetzungen
- Identitätsprüfungen
- Sicherheitsabfragen
- Konto-Wiederherstellungen
Wird die Rufnummer deaktiviert oder später neu vergeben, können wichtige Wiederherstellungsverfahren dauerhaft scheitern.
Unsere Empfehlung lautet deshalb:
Kündigen Sie die Mobilfunknummer eines Verstorbenen erst dann, wenn sämtliche wichtigen Konten geprüft, gesichert oder übernommen wurden.
Diese einfache Maßnahme kann später erhebliche Schwierigkeiten vermeiden.
Das Smartphone ist kein Datenträger mehr – sondern ein Sicherheitssystem
Viele Menschen vergleichen ein Smartphone noch immer mit einer klassischen Festplatte oder einem USB-Stick.
Dieser Vergleich trifft heute jedoch nicht mehr zu.
Früher konnten Daten häufig direkt von einem Speichermedium kopiert werden. Moderne Smartphones verfolgen einen völlig anderen Ansatz.
Sie schützen Informationen nicht nur durch ein Passwort, sondern durch mehrere aufeinander aufbauende Sicherheitsebenen.
Das Ziel ist eindeutig:
Selbst wenn ein Gerät verloren geht oder gestohlen wird, sollen persönliche Informationen nicht in falsche Hände gelangen.
Genau diese Sicherheitsmechanismen schützen die Privatsphäre des Nutzers im Alltag hervorragend.
Im digitalen Nachlass können sie jedoch zu erheblichen Problemen führen.
Die wichtigste Erkenntnis lautet:
Der Gerätecode öffnet heute nicht nur den Bildschirm. Er ist Bestandteil der gesamten Sicherheitsarchitektur des Smartphones.
Deshalb kann ein unbekannter Gerätecode den Zugriff auf zahlreiche Informationen dauerhaft verhindern.
Die zehn häufigsten Fehler nach einem Todesfall
In unserer langjährigen Praxis beobachten wir immer wieder dieselben Fehler.
Sie entstehen meist nicht aus Nachlässigkeit, sondern aus verständlicher Unsicherheit.
- Smartphone zurücksetzen
Ein Zurücksetzen auf Werkseinstellungen löscht lokale Daten unwiderruflich.
- Mobilfunkvertrag sofort kündigen
Dadurch gehen häufig wichtige Möglichkeiten zur Konto- oder Gerätewiederherstellung verloren.
- Apps löschen
Eine spätere Neuinstallation kann erneute Sicherheitsabfragen auslösen.
- Unüberlegt Updates installieren
Nach einem Update können neue Authentifizierungen erforderlich werden.
- Zu viele falsche Gerätecodes ausprobieren
Je nach Gerät verlängern sich die Wartezeiten erheblich.
Unter bestimmten Voraussetzungen können Geräte sogar automatisch gelöscht werden.
- Unbekannte „Entsperrprogramme“ verwenden
Viele Programme versprechen schnelle Lösungen.
Nicht selten verschlimmern sie die Situation oder führen sogar zum endgültigen Datenverlust.
- Cloudkonten vorschnell löschen
Damit können auch Fotos, Dokumente oder Sicherungen dauerhaft verloren gehen.
- Smartphone verkaufen oder entsorgen
Auch scheinbar defekte Geräte können später noch wichtige Informationen enthalten.
- Keine Übersicht über vorhandene Onlinekonten erstellen
Oft werden Konten erst Monate später entdeckt.
Dann fehlen bereits wichtige Zugangsmöglichkeiten.
- Keine fachliche Beratung einholen
Gerade bei komplexen Nachlassfällen kann eine strukturierte Analyse spätere Probleme vermeiden.
Mythen und Irrtümer
Rund um den digitalen Nachlass halten sich zahlreiche Missverständnisse.
Die häufigsten möchten wir aufklären.
Mythos:
„Das Smartphone ist vorhanden. Damit ist das Problem gelöst.“
Nein.
Das Smartphone bildet lediglich den Einstieg.
Viele Informationen befinden sich zusätzlich in Cloudkonten oder sind innerhalb einzelner Apps nochmals abgesichert.
Mythos:
„Ein Erbschein ersetzt jedes Passwort.“
Nein.
Ein Erbschein weist die Erbenstellung nach.
Er ersetzt jedoch keine technischen Sicherheitsmechanismen.
Mythos:
„Der Apple-Nachlasskontakt gibt Zugriff auf alles.“
Nein.
Der Nachlasskontakt ist eine sinnvolle Vorsorgemaßnahme.
Besonders geschützte Informationen wie Passwörter oder Passkeys gehören jedoch ausdrücklich nicht zum freigegebenen Datenumfang.
Mythos:
„Google muss das Passwort herausgeben.“
Nein.
Google prüft jeden Nachlass individuell.
Ein Passwort wird grundsätzlich nicht herausgegeben.
Mythos:
„Ein Backup reicht völlig aus.“
Nicht unbedingt.
Ein Backup schützt vor Datenverlust.
Es ersetzt jedoch keine Passwörter, Wiederherstellungsschlüssel oder zusätzliche Sicherheitsmechanismen.
Mythos:
„Die verschlüsselte Datenbank kann man einfach knacken.“
Moderne Smartphones verwenden komplexe kryptografische Verfahren.
Die eigentlichen Schlüssel bestehen nicht lediglich aus einer vier- oder sechsstelligen PIN.
Ein einfaches Durchprobieren sämtlicher PIN-Kombinationen gegen die verschlüsselte Datenbank führt deshalb regelmäßig nicht zum Erfolg.
Mythos:
„Digitale Vorsorge betrifft nur ältere Menschen.“
Ganz im Gegenteil.
Bereits Jugendliche besitzen heute Messenger, Cloudspeicher, Onlinekonten, Streamingdienste, digitale Verträge und Tausende persönlicher Fotos.
Der digitale Nachlass beginnt mit dem ersten Smartphone.
Warum digitale Vorsorge heute unverzichtbar geworden ist
Die vergangenen Beispiele zeigen deutlich:
Nicht der Tod selbst führt zu den größten Problemen.
Es sind fehlende Informationen.
Ein unbekannter Gerätecode.
Eine gekündigte Mobilfunknummer.
Ein verlorener Wiederherstellungsschlüssel.
Eine aktivierte Zwei-Faktor-Authentifizierung.
Ein Passwortmanager, dessen Master-Passwort niemand kennt.
Oder schlicht die Tatsache, dass niemand weiß, welche Onlinekonten überhaupt existieren.
Genau hier setzt eine durchdachte digitale Vorsorge an.
Sie dokumentiert nicht nur Passwörter.
Sie schafft eine strukturierte Übersicht über die gesamte digitale Identität.
Dazu gehören beispielsweise:
- verwendete Geräte,
- wichtige Onlinekonten,
- Passwortmanager,
- Authenticator-Apps,
- Wiederherstellungsschlüssel,
- Passkeys,
- Notfallkontakte,
- Cloudspeicher,
- besondere Wünsche für den digitalen Nachlass.
Je vollständiger diese Informationen dokumentiert werden, desto einfacher können Angehörige später handeln.
Nicht nur rechtlich.
Vor allem technisch.
Der digitale Nachlass beginnt nicht erst mit dem Todesfall
Die in diesem Beitrag beschriebenen Beispiele zeigen deutlich, dass die größten Schwierigkeiten häufig nicht durch fehlende rechtliche Befugnisse entstehen, sondern durch fehlende Informationen.
Ein unbekannter Gerätecode.
Eine voreilig gekündigte Mobilfunknummer.
Ein verlorener Wiederherstellungsschlüssel.
Eine aktivierte Zwei-Faktor-Authentifizierung.
Ein Passwortmanager, dessen Master-Passwort niemand kennt.
Oder schlicht die Tatsache, dass niemand weiß, welche digitalen Konten überhaupt existieren.
Je weiter die Digitalisierung voranschreitet, desto stärker wächst auch der digitale Nachlass. Gleichzeitig werden Smartphones, Cloud-Dienste und Onlinekonten aus gutem Grund immer besser geschützt. Diese Sicherheitsmechanismen schützen die Privatsphäre des Nutzers im Alltag zuverlässig – können im Todesfall jedoch dazu führen, dass selbst rechtmäßige Erben wichtige Informationen nicht mehr erreichen.
Deshalb sollte digitale Vorsorge nicht erst dann beginnen, wenn ein Angehöriger verstorben ist. Sie sollte Bestandteil jeder persönlichen Vorsorgeplanung sein – genauso selbstverständlich wie eine Vorsorgevollmacht oder ein Testament.
Digitale Vorsorge schafft Klarheit
Eine gute digitale Vorsorge besteht nicht darin, sämtliche Passwörter ungeschützt aufzuschreiben.
Viel wichtiger ist eine strukturierte Übersicht über die eigene digitale Identität.
Dazu gehören beispielsweise:
- verwendete Smartphones und Computer,
- wichtige Onlinekonten,
- Apple- und Google-Konten,
- Passwortmanager,
- Passkeys,
- Authenticator-Apps,
- Wiederherstellungsschlüssel,
- Cloudspeicher,
- Messenger-Dienste,
- Hinweise zu laufenden Verträgen,
- persönliche Wünsche zum digitalen Nachlass.
Ebenso wichtig ist die Dokumentation organisatorischer Informationen, etwa welche Mobilfunknummer verwendet wird, welche Zwei-Faktor-Verfahren eingerichtet wurden oder ob bei Apple ein Nachlasskontakt beziehungsweise bei Google der Kontoinaktivitäts-Manager eingerichtet wurde.
Diese Informationen erleichtern Angehörigen den Einstieg erheblich und können langwierige Recherchen vermeiden.
Der DLH-Stick als Baustein einer digitalen Vorsorge
Aus unserer langjährigen Beschäftigung mit dem digitalen Nachlass entstand die Idee, alle wesentlichen Informationen an einem zentralen Ort strukturiert zusammenzuführen.
Der DLH-Stick verfolgt dabei bewusst einen anderen Ansatz als klassische Passwortlisten.
Neben Zugangsinformationen können dort – je nach persönlichem Bedarf – unter anderem dokumentiert werden:
- wichtige Onlinekonten,
- Hinweise auf verwendete Passwortmanager,
- Wiederherstellungsschlüssel,
- Passkeys,
- Informationen zu Authenticator-Apps,
- Angaben zu Cloudspeichern,
- Hinweise zu Messenger-Diensten,
- Notfallkontakte,
- digitale Vollmachten,
- persönliche Wünsche zum digitalen Nachlass.
Nicht jeder Zugang muss unmittelbar gespeichert werden. Häufig genügt bereits eine nachvollziehbare Dokumentation darüber, wo sich wichtige Informationen befinden und wie im Ernstfall vorzugehen ist.
Dadurch entsteht eine strukturierte Orientierungshilfe für Angehörige, ohne dass diese zunächst sämtliche digitalen Spuren des Verstorbenen zusammensuchen müssen.
Über zehn Jahre Erfahrung
Seit mehr als zehn Jahren beschäftigen wir uns mit den Themen digitaler Nachlass, digitale Vorsorge und der Analyse digitaler Informationen.
In dieser Zeit haben wir unsere eigenen Programme, Skripte und Analysewerkzeuge kontinuierlich weiterentwickelt und an neue Smartphone-Generationen, Betriebssysteme und Sicherheitsmechanismen angepasst.
Diese Erfahrung hilft uns in vielen Fällen, technische Zusammenhänge schneller einzuordnen oder geeignete Vorgehensweisen zu entwickeln. Dennoch gibt es keine allgemeingültige Lösung.
Jeder Nachlassfall ist anders.
Während sich manche Fragestellungen innerhalb weniger Stunden klären lassen, benötigen andere aufgrund moderner Verschlüsselungsverfahren, internationaler Cloud-Dienste oder fehlender Zugangsinformationen mehrere Tage oder sogar Wochen.
Gerade diese Erfahrungen haben uns gezeigt, dass eine gute Vorbereitung fast immer wirkungsvoller ist als jede nachträgliche technische Analyse.
Checkliste für Angehörige
Nach einem Todesfall sollten zunächst keine überstürzten Entscheidungen getroffen werden.
Unsere Empfehlungen:
✓ Smartphone möglichst unverändert lassen.
✓ Keine Werkseinstellungen durchführen.
✓ Apps nicht löschen oder neu installieren.
✓ Updates nur nach sorgfältiger Prüfung installieren.
✓ Mobilfunknummer zunächst nicht kündigen.
✓ Vorhandene Gerätecodes, PINs oder Notizen sichern.
✓ Prüfen, ob ein Apple-Nachlasskontakt oder der Google-Kontoinaktivitäts-Manager eingerichtet wurden.
✓ Vorhandene Passwortmanager und Authenticator-Apps dokumentieren.
✓ Wiederherstellungsschlüssel und Backupcodes sichern.
✓ Erst danach über weitere technische oder rechtliche Schritte entscheiden.
Fazit
Der digitale Nachlass gehört heute zu den größten Herausforderungen einer modernen Nachlassregelung.
Ein Smartphone enthält nicht nur Erinnerungen, sondern häufig den Schlüssel zur gesamten digitalen Identität eines Menschen. Gleichzeitig sorgen moderne Sicherheitsmechanismen dafür, dass diese Informationen ohne entsprechende Vorsorge selbst für rechtmäßige Erben nur eingeschränkt oder gar nicht zugänglich sein können.
Wer bereits zu Lebzeiten seine digitale Identität strukturiert dokumentiert, entlastet seine Angehörigen erheblich. Häufig genügt schon eine übersichtliche Zusammenstellung wichtiger Informationen, um langwierige Recherchen, unnötige Kosten und vermeidbare Datenverluste zu verhindern.
Digitale Vorsorge bedeutet deshalb nicht, Sicherheit zu reduzieren.
Sie bedeutet, Sicherheit mit Weitsicht zu verbinden.
Quellen und weiterführende Informationen
- Bundesgerichtshof (BGH): Urteil zum digitalen Nachlass (III ZR 183/17)
- Apple Support: Nachlasskontakt
- Apple Support: iCloud-Schlüsselbund und Passkeys
- Apple Platform Security Guide
- Google Support: Kontoinaktivitäts-Manager
- Google Support: Verfahren bei Konten verstorbener Nutzer
- Signal Support: Registrierung, Signal-PIN und Kontowiederherstellung
- WhatsApp Hilfe: Zwei-Schritt-Verifizierung
- WhatsApp Hilfe: Ende-zu-Ende-verschlüsselte Backups
- Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI): Empfehlungen zur Smartphone-Sicherheit
- Datenschutzkonferenz (DSK): Informationen zum Datenschutz im digitalen Umfeld
Stand der Informationen: Die technischen und organisatorischen Verfahren von Apple, Google, Signal, WhatsApp und anderen Anbietern werden regelmäßig weiterentwickelt. Dieser Beitrag gibt den zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bekannten Stand wieder und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung oder technische Einzelfallprüfung.
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